- Schiffbau Typ VII C -
Der Schiffbau eines U-Bootes vom Typ VII C umfasst weit mehr als nur Rumpfform und Außenansicht. Entscheidend sind Druckkörper, Außenschiff, Zellen, Bunker, Schotte, Fundamente, Turm, Oberdeck, Ruderanlage, Verschlüsse, Innenausbau und die zahlreichen Einrichtungen, die den Betrieb des Bootes überhaupt erst ermöglichten.
Dieser Bereich soll die schiffbauliche Bauausführung des Typ VII C geordnet darstellen und verständlich machen. Grundlage bilden originale Bauvorschriften, technische Zeichnungen und erhaltene Unterlagen, die zeigen, wie der Schiffskörper aufgebaut, gegliedert, geprüft und ausgerüstet wurde.

Druckkörper
S I-04 bis S I-06
Der druckfeste Kern des Bootes mit Druckkörperhaut, Längsverbänden, Endböden und Druckkörperspanten. Hier beginnt der eigentliche tragende Schiffskörper des U-Bootes.

Schotte und Plattformen
S I-07 und S I-09
Schotte und Plattformen gliederten den Druckkörper in Räume, Arbeitsbereiche und technische Abschnitte. Sie bestimmten maßgeblich die innere Aufteilung des Bootes.

Fundamente
S I-08 und S I-26
Maschinenträger und Fundamente verbanden schwere Anlagen mit dem Schiffskörper. Dazu gehörten unter anderem Diesel-, E-Maschinen-, Drucklager- und Akkumulatorenfundamente.

Zellen und Bunker
S I-10 und S I-16
Tauchzellen, Regelzellen, Trimmzellen, Torpedozellen und Bunker waren fest in die Bauausführung eingebunden. Sie waren entscheidend für Tauchverhalten, Versorgung und Betrieb.

Außenschiff
S I-11 und S I-14
Das leichte Außenschiff gab dem Boot seine äußere Form und nahm freiflutende Bereiche, Spanten, Decksflächen und äußere Einbauten auf. Nicht alle sichtbaren Bereiche waren druckfest.

Steven und Ruder
S I-12 und S I-13
Steven, Wellenträger, Seitenruder, Tiefenruder und Ruderschutz gehörten zu den wichtigsten äußeren Baugruppen. Sie beeinflussten Steuerung, Manövrierfähigkeit und Schraubenanordnung.

Turm und Brücke
S I-15 und S I-18
Turm, Brücke, Aufbauten und Plattformen prägten das äußere Erscheinungsbild des Bootes. Gleichzeitig waren sie wichtige Bereiche für Führung, Beobachtung und Bewaffnung.

Verschlüsse und
Klappen
S II-01 und S II-12
Luken, Türen, Mannlochdeckel, Oberdeckklappen, Flutklappen und Entlüftungen waren für Dichtigkeit und Tauchbetrieb entscheidend. Sie verbanden Zugang, Bedienung und Sicherheit.

Rohr- und
Ruderleitungen
S II-06 und S II-07
Flut-, Lenz-, Trimm- und Ruderleitungen gehörten zu den wichtigsten schiffbaulichen Leitungseinrichtungen. Sie verbanden Schiffskörper, Zellen, Bedienorgane und technische Anlagen.

Schiffsführung und
Sicherheit
S II-11 und S II-15
Einrichtungen für Schiffsführung, Anzeigen, Tiefenmesser, Kompasse und Sicherheitssysteme unterstützten Betrieb und Kontrolle des Bootes. Dazu gehörten auch Not- und Rettungseinrichtungen.

Besatzung und
Innenausbau
S II-14 und S III
Wohnräume, Kojen, Küche, Klosetträume, Wascheinrichtungen, Provianträume und Wegerungen zeigen das Boot als engen Arbeits- und Lebensraum. Der Innenausbau war vollständig auf Funktion ausgelegt.

Anstrich und Schutz
S IV
Malerarbeiten, Farbtöne, Sonderanstriche, Zementierungen und Schutzmaßnahmen gehörten ebenfalls zur Bauausführung. Sie dienten Erhalt, Kennzeichnung und Schutz einzelner Bereiche.
Druckkörper
S I-04 bis S I-06
Der Druckkörper war der eigentliche tragende und druckfeste Schiffskörper des U-Bootes. Während das Außenschiff dem Boot seine äußere Form gab, Oberdeck, Flutschlitze und freiflutende Räume aufnahm, lag der wichtigste Teil des Bootes im Inneren: die Druckkörperhaut mit ihren Längsverbänden, Endböden, Luksüllen und Druckkörperspanten.
In der Bauvorschrift wird dieser Bereich in mehrere Gruppen gegliedert: S I Gruppe 4 behandelt die Druckkörperhaut, die Längsverbände im Druckkörper und die Luksülle, S I Gruppe 5 die Endböden des Druckkörpers und S I Gruppe 6 die Druckkörperspanten. Damit umfasst dieser Abschnitt im Kern genau die Bauteile, die dem Boot seine druckfeste Grundform gaben.
Für Besucher von U-995 ist dabei besonders wichtig: Nicht alles, was man von außen an einem U-Boot sieht, ist druckfest. Viele äußere Bereiche wurden beim Tauchen geflutet oder dienten der Formgebung und Aufnahme von Einrichtungen. Der eigentliche Raum, in dem die Besatzung lebte, arbeitete und das Boot bediente, befand sich im Druckkörper.
Die Druckkörperhaut bildete die geschlossene Außenhaut dieses druckfesten Raumes. Sie musste so ausgeführt sein, dass sie dem Wasserdruck bei Tauchfahrt standhalten konnte. Längsverbände und Druckkörperspanten versteiften diese Haut und gaben ihr die notwendige Festigkeit. Besonders die Druckkörperspanten waren entscheidend, weil sie den runden Querschnitt des Druckkörpers stützten und die auftretenden Kräfte aufnahmen.
Auch die Endböden gehörten zu den wichtigen Bauteilen des Druckkörpers. Sie schlossen den druckfesten Körper nach vorn und achtern ab und verbanden den zylindrischen Teil des Druckkörpers mit den angrenzenden Baugruppen. Zusammen mit Druckkörperhaut, Spanten und Schotten entstand so der geschützte Innenraum des Bootes.
Eine besondere Rolle spielten Luksülle, Montageöffnungen, Torpedoluken und sonstige Ausschnitte im Druckkörper. Solche Öffnungen waren notwendig, etwa für Zugang, Montage oder Ausrüstung des Bootes, schwächten aber grundsätzlich die geschlossene Druckkörperform. Deshalb mussten sie durch Verstärkungen, Verstärkungsflanschen, Druckstreben oder entsprechend ausgeführte Spantverbindungen wieder sicher in die Druckkörperkonstruktion eingebunden werden. Die Bauvorschrift nennt hierzu unter anderem Verstärkungen, Luken und die Prüfung der Schweißnähte als eigene Punkte innerhalb der Gruppe S I-04.
Gerade an solchen Stellen zeigt sich, wie wenig der Schiffbau eines U-Bootes mit einer einfachen äußeren Hülle zu tun hatte. Der Druckkörper war kein leerer Zylinder, sondern ein dicht gegliederter Schiffskörper, in dem Räume, Schotte, Decks, Fundamente, Zellen, Bunker, Leitungen und zahlreiche Einbauten miteinander verbunden werden mussten. Jede Öffnung, jeder Spantstoß, jede Naht und jede Durchführung hatte Einfluss auf Festigkeit, Dichtigkeit und Betriebssicherheit.
Die Bauvorschrift nennt für den Druckkörperbereich auch die Baugewichte der einzelnen Gruppen. Für Druckkörperhaut und Längsverbände im Druckkörper, Luksülle waren 97,06 t vorgesehen, für die Endböden des Druckkörpers 3,40 t und für die Druckkörperspanten 22,40 t. Schon diese Zahlen zeigen, welchen Anteil der druckfeste Schiffskörper an der gesamten Bauausführung hatte.
Für das Verständnis von U-995 ist der Druckkörper deshalb einer der wichtigsten Einstiegspunkte. Die Enge im Boot, die Anordnung der Räume, die Lage der Maschinen, Batterien, Torpedos, Leitungen und Armaturen ergibt sich aus diesem begrenzten druckfesten Raum. Wer den Druckkörper versteht, versteht besser, warum ein U-Boot vom Typ VII C so aufgebaut war, wie es heute im Inneren erscheint.
Schotte und Plattformen
S I-07 und S I-09
Die Schotte und Plattformen gehörten zu den wichtigsten Bauteilen für die innere Gliederung des Druckkörpers. Während die Druckkörperhaut die druckfeste Hülle bildete, teilten Schotte, Decks, Plattformen und Flurböden diesen engen Raum in einzelne Abteilungen, Arbeitsbereiche und technische Räume auf.
In der Bauvorschrift werden die Schotte des Druckkörpers unter S I Gruppe 7 behandelt. Dazu gehören unter anderem Druckschotte, wasserdichte Schotte, öldichte Schotte und leichte Schotte. Die Plattformen im Druckkörper folgen unter S I Gruppe 9, darunter die Decks über den Akkumulatoren, das Deck über der Munitionskammer, das Deck über dem Raum für T-Geräte sowie die Flurböden.
Für Besucher von U-995 ist dieser Bereich besonders wichtig, weil er erklärt, warum das Boot im Inneren so eng und stark unterteilt wirkt. Die Räume an Bord entstanden nicht zufällig. Jeder Bereich hatte eine bestimmte Aufgabe: Wohnen, Führen, Maschinenbetrieb, Batterieraum, Torpedoraum, Funk- und Horchraum, Zentrale oder E-Maschinenraum. Die Schotte und Plattformen gaben diesen Räumen ihre Form und bestimmten zugleich, wie man sich im Boot bewegen, arbeiten und die Anlagen bedienen konnte.
Dabei hatten Schotte nicht nur die Aufgabe, Räume voneinander zu trennen. Je nach Ausführung konnten sie druckfest, wasserdicht, öldicht oder als leichte Trennschotte ausgeführt sein. Ein Druckschott musste andere Anforderungen erfüllen als eine einfache leichte Trennwand im Innenausbau. Gerade diese Unterschiede sind wichtig, wenn man verstehen möchte, welche Teile des Bootes tragend, dichtend oder nur raumteilend wirkten.
Die Plattformen und Decks im Druckkörper waren ebenso bedeutend. Sie bildeten die begehbaren Ebenen, Abdeckungen und Arbeitsflächen über darunterliegenden Räumen, Zellen oder technischen Einrichtungen. Besonders deutlich wird dies bei den Decks über den Akkumulatoren. Diese mussten nicht nur begehbar sein, sondern auch Zugang, Abdichtung, Batteriekabel, Lüftung und Absaugleitungen berücksichtigen. Die Bauvorschrift beschreibt hier unter anderem einzelne Deckbleche, Einsteigeluken, Gummidichtungen und die Durchführung der Batterieleitungen.
Auch über der Munitionskammer und dem Raum für T-Geräte waren besondere Decks vorgesehen. Sie trennten technische Räume und Stauräume voneinander, ermöglichten den Zugang über Luken und mussten entsprechend ihrer Aufgabe ausgeführt werden. Solche Bauteile zeigen, wie eng Schiffbau, Ausrüstung und Betrieb an Bord miteinander verbunden waren.
Die Flurböden wiederum bestimmten das, was man beim Gang durch das Boot unmittelbar erlebt: die schmalen Laufwege, Übergänge und Standflächen zwischen Maschinen, Leitungen, Armaturen, Schränken, Kojen und Geräten. Gerade im Typ VII C musste jeder freie Raum sinnvoll genutzt werden. Unter den Flurböden lagen Zellen, Bunker, Leitungen, Kabel, Fundamente und andere Einrichtungen, die von außen oft kaum sichtbar sind.
Schotte und Plattformen machen deshalb deutlich, dass der Druckkörper nicht einfach ein leerer Innenraum war. Er war in viele genau festgelegte Bereiche gegliedert, die alle eine bestimmte Funktion hatten. Für das Verständnis von U-995 hilft dieser Abschnitt, die innere Enge und die scheinbar verschachtelte Anordnung besser einzuordnen: Was heute wie ein verwinkelter Museumsraum wirkt, war ursprünglich eine sehr dicht geplante Bauausführung, in der jeder Boden, jedes Schott und jede Luke eine konkrete Aufgabe hatte.



































